Nachdem die Ministerpräsidentin des Freistaates Thüringen, Frau Christine Lieberknecht, und ihr Minister für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz, Herr Jürgen Reinholz, während ihrer Stippvisite bei den Ausstellern der Landkreise Altenburger Land, Greiz, Saalfeld - Rudolstadt und Weimarer Land zur Internationalen Grünen Woche Berlin 2010 in der Halle 22a die Absicht des Landes verkündet hatten, ab 2011 den Freistaat in eigener Halle zu präsentieren, warteten natürlich alle bisher Beteiligten gespannt auf die Ausführungs-modalitäten dieses Planes.
Das Ministerium legte die Organisation des Projektes in die Hände der LEG, die wiederum einen Messegestalter mit der Erarbeitung des Konzepts beauftragte. Trotz entsprechender vorheriger Zusagen wurde keiner der bisherigen Organisatoren der Messeauftritte der genannten Thüringer Landkreise in die Planungen einbezogen. Die Landräte selbst hat man erst nach entsprechender Intervention über den Entwurf informiert.
Dieser bestand aus einem Ensemble uniformer Stände in der Halle 22a, das für die Präsentation und den Verkauf von Nahrungsgütern nach Auffassung der verantwortlichen Amtsträger und Organisatoren der vier Landkreise absolut ungeeignet schien und deshalb in diesem Kreis letztlich keine entscheidenden Befürworter fand.
Nicht deshalb, sondern auf Grund der Haushaltslage verabschiedete sich das Land im Juni definitiv von dem Vorhaben.
Fazit: außer nicht gerade geringen Kosten für einen im Grunde unbrauchbaren Ausstattungs-vorschlag ist bei der Aktion nichts zustande gekommen.
Die Landräte der vier Landkreise beschlossen daraufhin, Thüringen in der seit 2008 praktizierten Form weiter unter dem Slogan "Hier ist Thüringen" zu vertreten.
Mit einiger Mühe konnten die Fa. Rechenberg und ich als Organisatoren dafür wiederum die bisher genutzte Fläche in der Halle 22a trotz der fortgeschrittenen Zeit sichern.
Für Apolda bzw. das Weimarer Land war es der 15. Auftritt zur IGW Berlin, als Organisator und Koordinator hatte ich das 14. Jubiläum.
Hinsichtlich der Teilnahme von Unternehmen ergaben sich für die WVA bzw. den Landkreis einige unerwartete Turbulenzen.
Kam die Absage der Heichelheimer ABLIG Feinfrost GmbH auf Grund wirtschaftlicher Überlegungen nicht völlig überraschend – sie hatte bereits einen vom Lande geförderten Platz am Thüringenstand in der Halle 20 – traf uns die Nachricht von der Nichtteilnahme der Papalina GmbH nach vorheriger Zusage völlig unvorbereitet. Diese Entscheidung wurde ohne Vorankündigung in der Konzernzentrale der Ospelt - Gruppe in Liechtenstein getroffen.
Nach meiner Auffassung eine jener sattsam bekannten unsensiblen Entscheidungen "dynamischer moderner Manager", die angesichts der im Vergleich zu den Konzerngewinnen lächerlichen Aufwendungen für die Firmenpräsentation wenig Verständnis aufkommen lassen. Unter der Ägide des Seniorchefs i. R. Herbert Ospelt ist so etwas jedenfalls nie passiert.
Das besonders Unangenehme an der Sache war, dass zu diesem Zeitpunkt in Berlin unsere gesamte erforderliche Ausstellungsfläche bereits geordert war.
Es bedurfte ziemlicher Anstrengungen, um diese Ausfälle zu kompensieren.
Letztlich ist es mir gelungen, die Fa. HME GmbH (Historische Mühle Eberstedt) und den Tabarzer Hersteller von original Thüringer Schmuckwaren, die Fa. Mahlschatz, zu interessieren und als Teilnehmer zu gewinnen.
Die HME zeigte ihr schönes originelles Feriendorf auf dem Wasser als Bild und Modell und bot typische Naturprodukte aus ihrer Boutique (Senf, Tee, Gewürze) an; Mahlschatz offerierte sehr attraktiven handgefertigten Silber- und Edelstahlschmuck.
Die Aufnahme der Fa. Mahlschatz in den Kreis der Aussteller des Weimarer Landes hatte nicht nur Befürworter. Zum einen wegen ihrer Zugehörigkeit zum Kreis Gotha, zum anderen wegen ihrer Produkte, die natürlich nichts mit Nahrungsgütern zu tun haben.
Abgesehen davon, dass durch diesen Aussteller der optische Eindruck unseres Gemeinschaftsstandes in keiner Weise beeinträchtigt, wenn nicht sogar aufgewertet wurde, dürfte der Herkunftskreis eines Ausstellers aus Thüringen für Regionen, die unter dem Banner "Hier ist Thüringen" marschieren, kein Teilnahmehindernis sein, zumal sich im eigenen Landkreis kein teilnahmewilliges Unternehmen finden ließ.
Auch das Produktargument ist wenig stichhaltig, denn auf der IGW werden von Nagelfeile und Schuhputzmittel bis zu Markisen und Heizanlagen massenhaft Erzeugnisse angeboten, die nun wahrlich nicht zu den bevorzugten Gourmetgenüssen gehören.
Das Wichtigste aber war für mich als Organisator die Tatsache, dass die Teilnahme dieser Firma an unserem Stand die Wirtschaftsförder - Vereinigung und damit die an der IGW beteiligten Unternehmen vor signifikanten Zusatzkosten für nicht benötigte, aber zu finanzierende Flächenanteile sowie gravierende Umbauten am Standkomplex bewahrt hat.
So präsentierten sich denn letztlich folgende Unternehmen an unserem Gemeinschaftsstand:
Die "Urgesteine" Thüfleiwa AG, Vereinsbrauerei Apolda GmbH und GUTENA Nahrungsmittel GmbH; die Dr. Schär Deutschland GmbH; Mahlschatz Tabarz; HME Historische Mühle Eberstedt GmbH und für die wichtige Tourismusbranche der Impulsregion der Fremdenverkehrsverband Weimarer Land GmbH und die Weimar GmbH.
Am Tourismusstand machten auch Weimarer Hotels eine recht ansprechende Werbung für ihre Häuser (Hotel Amalienhof, Hotel Fürstenhof).
Aus Sicht nahezu aller beteiligten Unternehmen war die Teilnahme an der IGW 2011 ein Erfolg, sowohl was das Verkaufsergebnis als auch den Imagegewinn angeht. Die Firmen des Weimarer Landes erreichten im wesentlichen die erstklassigen Ergebnisse des Vorjahres, wobei die Thüfleiwa - Rostbratwurst, von der 10 200 Stück verkauft wurden, erwartungsgemäß wiederum der Renner war. Von mir erfasste Verkaufszahlen belegen das.
Dadurch, dass Bier und andere Getränke auch von den Brauereien aus Altenburg und Saalfeld angeboten wurden, musste die Vereinsbrauerei Apolda kämpfen, um an die Ergebnisse der Vorjahre heranzukommen. Das ist ihr ganz gut gelungen.
Man kann es nicht oft genug betonen, dass unsere Unternehmen in erster Linie Werbung für die Region Apolda und den Landkreis machen, ohne vordergründig auf das Geschäftsergebnis zu blicken.
Auch der Tourismusstand konnte sich über mangelndes Interesse an seinen Angeboten für das Weimarer Land, für Apolda und Weimar nicht beklagen.
Die Richtigkeit der von uns in den letzten Jahren mehr und mehr verfolgten Strategie der Verbindung von Offerten charakteristischer Erzeugnisse unserer Lebensmittelindustrie und touristischer Besonderheiten, die Schönheit und Kultur unserer Region ausmachen, wird dadurch eindrucksvoll bestätigt.
Die Aussteller der anderen Landkreise zeigten sich rundherum ebenso zufrieden, wobei dieses Mal auch der Landkreis Eichsfeld mit dem Landratsamt und einem Unternehmen zugegen war.
Die Aufenthaltsfläche für die Messebesucher war durchgängig voll besetzt, was neben den angebotenen Speisen sicher auch der guten musikalischen Unterhaltung zu danken war.
Der Besuch des Landtagsauschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Begleitung der Landtagspräsidentin, Frau Birgit Dietzel, und des Geschäftsführers des Thüringer Bauernverbandes, Stefan Baldus, auf unserem unseren Standkomplex am Eröffnungstag der IGW ist mittlerweile zur guten Tradition geworden. Zur Delegation gehörte außerdem der Landwirtschaftsminister Jürgen Reinholz.
Meine direkte Frage an ihn nach der Zukunft der Präsentation des gesamten Landes Thüringen in eigener Halle beantwortete er ganz eindeutig, dass das aus finanziellen Gründen weder 2012 noch in den Folgejahren in Frage kommt. Er sprach von Überlegungen eventuell mit zwei anderen Bundesländern zu kooperieren.
Die Ausschussmitglieder und die Landtagspräsidentin fühlten sich offenbar wohl und fanden lobende Worte für die Präsentation der Landkreise. Eine eigene Länderhalle Thüringens hielten sie im Gegensatz zum Minister immer noch für möglich und auch wünschenswert.
Die Ministerpräsidentin, die uns auf Grund anderer dringender Termine am darauf folgenden Tag nur kurz besuchen konnte, äußerte sich zu diesem Thema nicht.
Die kulturelle Umrahmung einschließlich des Thüringer Abends und einer Aktion der Vogtlandwerkstätten "Souvenirtassen" lag dieses Mal in den Händen des Landkreises Greiz, der seine Sache gut gemacht hat, wie ich finde.
Zum Thüringer Abend waren u. a. die Landräte der vier gastgebenden Landkreise, der Bürgermeister Apoldas, die Geschäftsführer der ausstellenden Unternehmen, Bundestags- und Landtagsabgeordnete sowie Abgeordnete von Kommunalparlamenten anwesend.
Der Stimmung und dem Verzehr nach zu urteilen, muss es den meisten Teilnehmern ganz gut gefallen haben.
Die Präsentation der Landkreise unter dem genannten Slogan initiierte wiederum beträchtliche Medienaufmerksamkeit (Presse, Rundfunk, Fernsehen), wobei die Medien ebenso wie die Besucher das gesamte Ausstellungsensemble tatsächlich als Länderschau Thüringens identifizierten.
Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 47 000 € netto.
An der Finanzierung waren der Landkreis mit 6500 € und die Stadt mit 1500 € beteiligt.
Der Landkreis finanzierte außerdem anteilig das kulturelle Angebot einschließlich Thüringer Abend (ca. 4600 €).
Diese Förderung hat sicher ein ehrliches Dankeschön verdient.
Der erfolgreiche Messeauftritt 2011 veranlasste die Landräte in der Abschlussbesprechung der Landkreise am 31. März in Harth - Pöllnitz zu der Entscheidung, die Teilnahme an der IGW 2012 auf der gleichen Grundlage wie 2011 zu organisieren.
Dabei sollen möglichst weitere Teilnehmer aus allen Thüringer Landkreisen gewonnen werden, weshalb auch an die Organisatoren der Auftrag erging, bei der Messe Berlin kurzfristig die Option auf eine gegenüber diesem Jahr auf 600 m 2 vergrößerte Fläche wieder in Halle 22 A zu sichern.
Landrat Münchberg will insbesondere in der Lenkungsgruppe der Impulsregion (WL, Weimar, Jena, Erfurt) um Aussteller aus Erfurt und Jena werben. Darüber hinaus vertrat insbesondere er die Ansicht, an der Absicht der Landespräsentation in mindestens einer halben Halle trotz der diesbezüglich negativen Signale aus Regierungskreisen unbeirrt festzuhalten. Inwieweit dieser Optimismus angebracht ist, wird sich zeigen.
Ebenfalls auf Vorschlag unseres Landrates sollte der Thüringer Abend 2012 durch einen Thüringentag mit opulentem Veranstaltungsprogramm ersetzt werden, durch den Besuchern der Grünen Woche - auch solchen aus Thüringen bzw. unserer Region - neben kulinarischen und landschaftlichen Vorzügen unserer Heimat auch deren kulturelle Besonderheiten nahe gebracht werden können.
Die Arbeit der Unternehmen, Organisatoren und sonstiger Akteure adäquat zu würdigen, bestünde in einer anschließenden "Dankeschönveranstaltung" noch reichlich Gelegenheit.
Diese Anregung beruht auf einer Idee unseres Vorsitzenden Jürgen Krämer und bedarf selbstverständlich noch einer gründlichen Diskussion.
Auf der Grundlage dieser Festlegungen vom 31. März sind die Planungen für die IGW 2012 angelaufen. |